In Gedenken an Toby


Als Toby mit 8 Wochen zu mir kam, war mein sehnlichster Wunsch nach einem großen Hund in Erfüllung gegangen. Ich erwarb sie bei einem Schäfer in der Nähe von Paderborn. Ihre Mutter hütete halbtags Schafe und der Wurf kam just vor Fun zustande, sozusagen als Nachwuchs für das in die Jahre gekommene Muttertier. Über Sozialisierung und solche Dinge machte ich mir keinerlei Gedanken, wichtig war es einfach, einen Hund an meiner Seite zu haben.

 

Sie hat bis zu Ihrer 8. Lebenswoche außer Ihrer Mutter und den geschützten Zwinger nichts kennen gelernt. Sie gewöhnte sie schnell an die neuen Situationen, aber immer war etwas Misstrauen zu erkennen. Bis sie ungefähr ein halbes Jahr alt war, spielte sie mit allen Hunden, danach war von heute auf morgen Schluss damit. Sie hatte schon eine stattliche Größe und die Hundebesitzer hatten wegen ihrer Tollpatschigkeit und ihrer Größe Angst, das ihre eigenen Hunde zu Schaden kamen. Wir fanden fortan sehr selten einen Hund der mit ihr spielte. Da gab es den Labrador mit dem Namen Attila, der seinem Namen alle Ehre machte. Er überrollte Toby mit seinem massigen Körper und tat ihr sehr oft weh. Immer wenn wir ihm begegneten, zeigte sie Unsicherheit und wollte gar nicht mehr mit ihm spielen. Irgendwann knurrte sie ihn böse an und gab ihm zu verstehen, das sie die Nase voll hatte.

 

Toby 12 Wochen alt

Ein weiterer wüster Spielkamerad war ein großer Schäferhundrüde. Auch er fügte ihr oft Schmerz zu, er strafte sie, wenn sie nicht schnell genug einem Kommando gehorchte, obwohl er es selbst oftmals nicht für Nötig hielt, zu gehorchen. Nach Arras hatte sie endgültig die Nase voll von anderen Hunden und reagiert seither sofort aggressiv, ohne Kompromisse möchte sie keinen Kontakt zu anderen Hunden.

Toby und Herrchen, es war Liebe auf den ersten Blick

Toby ist für jeden Spaß zu haben

Im Rudel zuhause ist sie friedlich, zeigt dem Rudelgenossen einmalig und mit Nachdruck, das Sie das Sagen hat, danach kann man beide gut zusammen lassen.

Toby ist eine Neufundländer Hündin, die bis zu Ihrem 8. Lebensjahr im Hundesport aktiv war und eine ausgebildete Fährtenhündin ist. Neben der Begleithundprüfung legte sie insgesamt 7 Fährtenhund Prüfungen ab, was für diese Rasse recht ungewöhnlich ist. 

Anfangs machte ihr die intensive Nasenarbeit wenig Spaß, da sie keinerlei Triebziele hatte und überhaupt nicht verfressen war. Durch die mangelnde Kondition, die ihr nur sehr schwer antrainiert werden konnte, zeigte sie wenig Arbeitsfreude und war dadurch recht unzuverlässig. 

Toby geschoren und mit Wintermantel

Toby auf dem alten Ledersofa

Toby, Zigan und Frauchen auf einer riesigen Strohrolle

Seitdem ein Rudelgenosse an ihrer Seite arbeitet, erwachte der Futterneid und somit war ein Triebziel vorhanden. Ihre Prüfungen legte sie im Bereich der Bewertungsnote „gut“ bis „sehr gut“ ab. Inzwischen hat sie ihren wohlverdienten Ruhestand angetreten und geht nur noch Gassi. Außerdem jagt Sie gerne Katzen, wälzt sich mit Vorliebe im Schlamm (ein „Neufundschwein!) und ärgerte  gerne bis im August 2002 Ihren Stubengenossen „Zigan“ und seither den rassigen Italiener Pino...........! Sie ist Chef im Rudel, wie es sich für eine Hündin gehört, vertilgt am liebsten Schweineohren und ratzt den restlichen Tag! Trotz Ihrer Größe ist sie ein empfehlenswerter Hausgenosse, der nicht im Zwinger gehalten werden will.

Toby und Zigan

Toby, Oino und Herrchen

Im März  2004 absolvierte sie ihr vierzehntes  Lebensjahr. Im Oktober 2001 signalisierte sie mit einer heftiges Fieberattacke , das sie nicht mehr an den ausgiebigen täglichen Spaziergängen teilnehmen kann. Sie hat seither Herzschwierigkeiten, die  mit Medikamenten ausgeglichen werden können. Nach ich Sie vor zwei Jahren im Sommer geschoren habe, wächst ihr Fell nicht mehr richtig, vermutlich Hormonprobleme. Aber sie bekommt soviel Medikamente, irgendwann ist dann das Erträgliche erreicht und uns macht es nichts aus, das sie aussieht wie ein Rocker.

Je älter sie wird, desto eigensinniger erscheint sie, ich denke, das ist eine Art Altersstarrsinn. Sie mag keine anderen Hunde mehr und reagiert recht aggressiv, will wirklich ihre Ruhe haben. Sie darf inzwischen auf einer Decke auf dem Sofa schlafen und genießt natürlich die Vorzüge des Alters. Wenn Pino seine tägliche lange Runde geht und sie nicht mitkommen kann, ist sie oft beleidigt und traurig.

 

16.09.2004

Heute waren wir beim Tierarzt, Toby hat Schnupfen. Die Ärztin verabreicht soweit wie möglich natürliche Medikamente, was ihr gut bekommt. Sie ist inzwischen 14 Jahre 6 Monate und 6 Tage alt, sie baut täglich mehr ab, ihr Körper ist verbraucht, ihr Kopf ist noch klar. Ihr Lebenswille noch nicht gebrochen, sie will noch bei uns sein und läuft je nach Verfassung ihre Gassirunde am Morgen sowie am Abend. Hierbei liest sie intensiv die "Zeitung" und genießt es, wenn es nicht so warm ist, ein kühler Wind weht oder es regnet.  Bei heißem Wetter wird sie mit dem Auto an eine riesige Trauerweide gefahren. Dort schnüffelt sie herum, löst sich , liegt genüßlich im kühlen Gras. Ich beobachte sie sehr genau und hoffe, das ich zur rechten Zeit eine Entscheidung für sie treffen werde. Aber es wird schwer werden, sie nach so langer Zeit zu verlieren. Sie schläft oftmals so tief und fest, das ich denke, sie ist für immer eingeschlafen.  Seit ein paar Monaten wächst ihr Fell wieder und es gibt kaum noch Stellen, die lediglich Unterfell haben. Ihre Herzkrankheit verursacht inzwischen Wasser in der Lunge, das wir noch täglich ausschwemmen können. Neben dem Medikament Vasotop bekommt sie noch Wassertabletten und für ihre Inkontinenz das Medikament Incurin.

23.10.2004

Was für eine Woche................letzten Samstag hatte Toby heftiges Nasenbluten. Mike war mit den Hunden allein daheim und als ich zurückkam war er bei der Schadensbegrenzung. Das Nasenbluten hatte er mit kalten Kühlelementen und einem kalten Nassen Handtuch auf dem Kopf fast zum Stillstand bekommen, als ich kam, kniete er auf einem unserer Teppiche und versuchte das Blut wegzubekommen. Aus dem linken Nasenloch von Toby kroch immer noch ganz wenig Blut, vermischt mit Schleim. Das ganze Wochenende beobachteten wir sie beunruhigt und warteten auf die nächste Attacke. Am Montag fuhren wir zur Tierärztin, die Polypen in der Nasenhöhle vermutete und im schlimmsten Falle einen Tumor. Ich machte einen Termin in einer Tierklinik, wo sie bereits am Lidrand operiert worden war und stellte sie dort am Freitag vor.  Der Arzt kannte unsere Toby noch gut und meinte, sie wäre ja noch ganz gut drauf und in diesem hohen Alter würde ihr das wenige Gewicht sehr entgegenkommen.  Wir hatten keine Möglichkeit, einen Blick in das Nasenloch zu werfen, Toby hat sich mit aller Kraft gewehrt und in Narkose legen wollte der Arzt sie dann auch nicht. Wir besprachen das weitere Vorgehen und sind so verblieben, das wir alles so lassen wie es ist. Falls sie einen Tumor hat und der wachsen würde, das das linke Nasenloch zu ist, kann sie weiter durch das rechte Nasenloch und den Mund atmen. Die Infektion ( zeigt sich durch den schleimigen Ausfluss aus der Nase ) wird mit Nasenspray behandelt. Solange sie keine Schmerzen hat, ist dies die beste Lösung für unsere Toby, zumal nicht sicher ist, ob sie eine Operation und deren Nachbehandlung überstehen würde. Ich habe sie in den Arm genommen und ihr zugeflüstert, das wir die Situation zusammen durchstehen und ich ihr helfen werde, wenn es nicht mehr geht. Ich glaube, sie weiß das auch und hat Vertrauen zu mir. Wir genießen jeden gemeinsamen Tag, freuen uns über jede Minute und jeden Augenblick, den wir noch zusammen verbringen dürfen.

25.11.2004

Es ist soweit, der Tag X ist gekommen. Sie blutet seit gestern etwas aus der Nase, ein kaum sichtbares Rinnsal, das sie andauern abschleckt. Heute Mittag rief mich Mike an und fand sie im Badezimmer, um sie herum eine kleine Blutlache, die nichts gutes zu bedeuten hatte. Er rief mich im Büro an und ich wußte, das es soweit ist. Ich rief schon mal vorsichtshalber meine Tierärztin an und sprach ihr aufs Band, das wir sie brauchten. Zuhause angekommen, lag Toby auf ihrem Kissen und schaute mich an. Ich rief die Tierärztin an und bestätigte den Verdacht, das es nicht mehr aufzuschieben war, holte ihre Leine und wir gingen wie immer auf die Wiese um zu schnüffeln und das Geschäft zu erledigen. Pino war stets an unserer Seite, so als ob er auch schon eine Ahnung hatte. Gegen 15:00 Uhr kam unsere Ärztin, schaute sich Toby an und wir entschieden, es nochmals mit einer blutstillenden Injektion zu versuchen. Als sie ging, blutete Toby etwas mehr aus der Nase, wir nahmen an, das sie sich wie immer über den Besuch der Ärztin aufgeregt hatte und das Blut nur so durch ihre Andern schoß. Als es gegen 16:30 Uhr immer noch nicht aufgehört hatte, rief ich die Ärztin erneut an und wir vereinbarten, das sie sobald wie möglich kam, dann aber schon die Narkose bereithielt, und sich nach der Injektion zurückzieht, damit Toby in Ruhe einschlafen kann. Ich fütterte Toby so als wenn nichts wäre, verbrachte jede Sekunde neben ihr und kraulte sie. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Küchenrollen blutig waren, als endlich die Ärztin kam. Toby wehrte sich nicht, war schon zu schwach um aufzustehen, traute sich nicht, ihren Kopf niederzulegen aus Angst, das sie einschläft. Als sie ihre Narkoseinjektion bekommen hatte, nahm ich sie in den Arm und sie schlief friedlich ein. Alles weitere hat sie nicht mehr gemerkt, die Ärztin war unglaublich leise und rücksichtsvoll. Wie in Trance holte ich ein großen Leinenlaken in der wir sie einwickelten. Wir schnitten ihr eine Locke aus dem wieder dicht gewordenen Fell und trugen sie ins Auto um sie zu begraben. Es war schrecklich, als diese nasse Erde auf das Leinetuch fiel, die Gewißheit zu haben, nie wieder ihren Kopf zu kraulen, sie nie wieder neben mir zu spüren. Fast 15 Jahre war sie an meiner Seite, hat nie geklagt, hat mich wortlos verstanden, war geduldig und sanft. Obwohl ich mich so lange Zeit auf ihr Fortgehen vorbereiten konnte ist mir der Abschied nicht leicht gefallen.

Sie ist bei einer netten Dame im Garten begraben, die sie vorher nie gesehen hat. Als ich mich bei ihr bedankte sagte sie mir, sie freut  sich, das Toby bei ihr ist, sie mag sie gerne bei sich haben. Wir fahren sporadisch zu ihrem Grab, weil ich immer noch weinen muß, wenn ich sie dort unten in der Erde weiß, wo es kalt und nass ist, nichts kuscheliges, wie sie es gewohnt war..................sie hat einen festen Platz in meinem Herzen